RESA Protokollierrechner
Im Rahmen der Reaktorschnellabschaltung (RESA) erfolgt ein gleichzeitiges hydraulisches Einschießen aller Steuerstäbe in den Reaktorkern, mit dem Ziel die Gesamtleistung auf Null zu fahren.
Die Regelung von Siedewasserreaktoren erfolgt über die Stellung der Steuerstäbe und über den Kühlmitteldurchsatz der Hauptkühlmittelpumpen. Der Betreiber ist verpflichtet im Rahmen wiederkehrender Prüfungen nachzuweisen, dass seine Steuerstäbe innerhalb einer bestimmten Zeitspanne alle eingeschossen werden können (Nachweis der Leichtgängigkeit). Hierzu werden RESA manuell ausgelöst.
Während einer RESA werden für jeden Steuerstab folgende drei digitale Signale mit hoher Zeitauflösung erfasst:
- Trennung von Steuerstab und Antrieb
- Bremsfeder gespannt
- Einklinken des Steuerstabes mit dem Stellantrieb
Zur Erfassung der Signale wird eine sicherheitsgerichtete und hochverfügbare speicherprogrammierbare Steuerung eingesetzt. Dieser so genannte RESA-Protokollierrechner (RPR) erfasst die Signale mit einer Zeitauflösung < 25 ms (1000 digitale Prozessanschlüsse). Um eine hohe Verfügbarkeit verbunden mit einer hohen Datensicherheit zu gewährleisten, ist der RPR durchgängig zweifach redundant aufgebaut und als 1-von-2 System konfiguriert. Zur Gewährleistung eines fehlersicheren Verhaltens ist der RPR mit umfangreichen Funktionen für die Selbstüberwachung ausgestattet.
Der RPR besteht aus drei Teilsystemen:
- Der RPR registriert im Falle einer RESA die Zustandsänderungen der digitalen Eingaben mit einer hohen Zeitauflösung
- Die Bedien- und Meldefunktion ist die Schnittstelle zwischen dem RPR und dem Benutzer. Sie übernimmt die Speicherung und Ausgabe aller Meldungs- und Betriebsprotokolle.
- Der Prozess-Simulationsrechner ermöglicht, eine komplette Funktionsprüfung des RPR durchzuführen. Er simuliert hierfür alle notwendigen Prozess-Signale.
Die wesentlichen Merkmale des RPR sind:
- Das System ist baumustergeprüft und je nach Aufgabenstellung fehlersicher, bzw. fehlertolerant und hochverfügbar.
- Das System ist durchgängig zweifach redundant aufgebaut.
- Das System verfügt über zyklische Autotestfunktionen, die fehlerhafte Komponenten bereits vor der Signalverarbeitung erkennen.
Das System ist offen, ein Datenaustausch mit Fremdsystemen ist über verschiedene standardisierte Netzwerkanschlüsse möglich.
Das System ist aus weitverbreiteten, betriebsbewährten, standardisierten Industriekomponenten aufgebaut. Die Ein- und Ausgabebaugruppen sind für eine dezentrale Signalerfassung geeignet.
Das System genügt der Anforderungsklasse 4 nach DIN V 19250 "Grundlegende Sicherheitsbetrachtungen für MSR-Schutzeinrichtungen".
