Verfahren zur chemischen Dekontamination von Primärsystemen

Für die chemische Dekontamination von DWR- und SWR-Primärsystemen und der Hilfssysteme im Kernkraftwerk wurde das NIS-ASDOC-Verfahren entwickelt. Dieser chemische Dekontaminationsprozess wird unter Nutzung der kraftwerkseigenen Betriebssysteme durchgeführt.

Effektive und umfassende Reduktion der Dosisleistung im KKW

Das chemische Dekontaminationsverfahren ASDOC

ASDOC nutzt bekannte und freizugängliche Prozesschemikalien in stark reduzierten Konzentrationen und mit modifizierter Einsatzlogistik. Die eingesetzten Chemikalienkonzentrate werden über das kraftwerkseigene Chemikaliendosiersystem dem Primärkreislauf zugeführt und in diesem umgewälzt. Die Steuerung der zur Dekontamination benötigten Kraftwerkssysteme erfolgt wie im gewöhnlichen Anlagenbetrieb von der Kraftwerkswarte aus durch das Betreiberpersonal. Die erforderlichen Parameter wie z. B. Dosierabläufe, Durchsätze, Temperatur, gibt die NIS vor. Während der Dekontamination aus den Oxidschichten des Primärsystems herausgelöste Ionen werden mittels der Ionentauscher des TC-Systems aus der Prozesslösung entfernt. Der ASDOC-Prozess kann zu jeder Zeit unterbrochen und wieder angefahren werden, ohne dass es beispielsweise zur Ausfällung chemischer Verbindungen kommt. Der in mehrere Prozessschritte gegliederte Dekontaminationsablauf lässt sich zielgenau steuern, so dass ein exakt kontrollierbarer Abtrag der Oxidschichten möglich ist. Ein unbeabsichtigter Angriff auf das Grundmetall und eine damit verbundene erhöhte Abfallmenge wird dadurch sicher verhindert.

Das Verfahren zeigt, dass der Abtrag der Oxidschichten kontrollierbar durchgeführt und verfolgt werden kann. Dies ist eine Folge der jeweils exakt dosierten, begrenzten Chemikalienmenge. Nach den einzelnen Prozessschritten sind die eingesetzten Chemikalien stöchiometrisch umgesetzt. Es verbleiben daher auch keine überschüssigen Einsatzchemikalien im Dekontkreislauf. Die Oxidschichten lösen sich während der einzelnen Prozessschritte: Dies erfolgt in nahezu konstant bleibenden Abtragsraten. Es findet keine Partikelfreisetzung statt.
Eine Wiederholung ist beliebig möglich, bis das gewünschte Dekont-Ergebnis erzielt ist. Die Aktivitätsbelegung von Metalloberflächen kann dabei ggf. bis zum Freigabegrenzwert abgesenkt werden.
Die akkumulierte Personendosis während einer Dekontaminationskampagne liegt im Bereich einiger mSv, aufgrund des Wegfalls externer Komponenten, die keiner Montage bzw. Demontage bedürfen. Das ASDOC-Verfahren erreicht durch die exakte Prozesssteuerung Dekontaminationsfaktoren >75.

ASDOC benötigt kein externes Equipment. Der Prozess wird durch die kraftwerkseigenen Systeme betrieben und kontrolliert. Die Einspeisung der Dekontaminationslösungen erfolgt über die Dosiereinrichtungen des Kraftwerkes. Die Prozesskontrolle erfolgt mit Hilfe der im Kraftwerk vorhandenen Instrumentierung und Analyseeinrichtungen.

  • ASDOC verhindert jegliche Art von Ausfällung und Partikelerzeugung während der Dekontamination.

  • Minimierung der Personendosis, da kein externes Equipment am Primärsystem zu installieren und zu betreiben ist.

  • Keine Leckagegefahr, da durch den Entfall externen Equipments auch die erforderlichen Schlauchverbindungen zum Primärsystem entfallen.